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VORSCHAU November 2021

Konzerte am 13. November 2021

  • 15 Uhr Familienkonzert
  • 18 Uhr Gesamtaufführung

in der Auferstehungskirche Hannover

Beethoven 2020! Das war geplant. Und die Titelergänzung „BEFREIT“ ebenfalls, weil der Freiheits- und Befreiungsgedanke in seinem Werk, auch im geistlichen, eine zentrale Rolle spielt.

Und nun, so unsere Hoffnung, kommt dieser Überschrift eine mehrfache Bedeutung zu! Ende 2021 wird vielleicht noch nicht alles vorbei sein, die Pandemie wird uns noch lange begleiten. Aber als Chor und Konzertveranstalter können wir uns kaum eine größere Befreiung vorstellen, als wieder gemeinsam singen und auftreten zu können.

Wieviel drängender stellt sich dieses Bedürfnis für alle solo-selbstständigen Künstler dar, mit denen wir in den Orchestern seit Jahren erfolgreich und vertraut musizieren? Den Menschen wieder Musik zu schenken und den Solisten und Instrumentalisten ihre Existenzgrundlage zu sichern, dazu möchten wir beitragen.

Welcher programmatischen Idee folgt unser Konzertprogramm?

Unser Programm ist in seiner Aussage sehr menschlich, weil es unsere Fragen zu Grenzerfahrungen aufgreift. Finden sich in der ersten Konzerthälfte zunächst weltliche Werke, die von der Zerrissenheit und Bedrohung der menschlichen Existenz reden, „antwortet“ der zweite Teil des Abends mit der christlichen Zusage, dass allen Menschen Befreiung und Erlösung geschenkt ist:

Ludwig von Beethoven: Leonoren-Ouvertüre Nr. 3, op. 72b für Orchester
Johannes Brahms: Schicksalslied, op. 54 für Chor und Orchester

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Ludwig van Beethoven: Messe in C-Dur, op. 86 für Chor, Orchester, Solisten
Johannes Brahms: Begräbnisgesang, op. 13 für Chor und Bläser


Wir beginnen ganz weltlich mit Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 zur Oper Fidelio. Beethoven komponiert die Befreiungsoper „Fidelio“ ganz im Geiste der Zeit wenige Jahre nach der französischen Revolution. In einem umfassend gedachten Sinn triumphieren hier Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Menschlich ethisches Verhalten, christlich oder humanistisch begründet, sprengt in dieser Oper die diesseitigen Ketten.

Mit dem Schicksalslied vertont Brahms ein Gedicht von Friedrich Hölderlin. Göttliches Ideal und menschliche Realität werden scheinbar unvereinbar gegenübergestellt, Erlösung findet in Hölderlins Gedicht zunächst nicht statt. Doch Brahms fügt einen dritten rein instrumentalen Teil an, der den Rahmen schließt und mit der Lichttonart C-Dur eine quasi erlösende weitere Strophe ohne Worte dichtet: So hat die Ungewissheit nicht das letzte Wort!

Nach der Pause folgt das Hauptwerk des Abends, Beethovens Messe in C-Dur – eine Komposition mit einer ihrer Tonart entsprechenden Lichtwirkung. Das Ordinarium Missae, der lateinische Messtext, ist bis heute das unverändert wiederkehrende Grundgerüst der katholischen Messe. Dieser Text führt mit seinen Teilen Kyrie (Erbarme dich, Herr), Gloria (Ehre sei Gott in der Höhe), Credo (Ich glaube), Sanctus/Benedictus (Heilig, heilig, heilig ist der Herr) und Agnus Dei (Lamm Gottes) zur befreienden Botschaft, dass Jesu Kreuzestod am Karfreitag in die erlösenden Worte der Messe „Gib uns deinen Frieden“ mündet.

Der Begräbnisgesang op. 13 für Chor und Bläser von Johannes Brahms beschließt das Programm. In seiner Stilistik blickt dieses Stück auf das Frühbarock zurück und steht in der Tradition von Schütz´ „Musikalischen Exequien“, in der die Verstorbenen auf ihrem letzten irdischen Weg musikalisch begleitet werden. Lassen wir einen Textauszug für sich sprechen:

Hier ist er in Angst gewesen,
dort aber wird er genesen,
in ewiger Freude und Wonne
leuchten wie die schöne Sonne.


Wir bieten dieses Programm erneut auch als Kinder- und Familienkonzert am Nachmittag an.

Wie werden diese Gedanken mit Kindern aufgegriffen?

Auch Kinder erleben die Beschränkungen des Lebens, haben eigene Sorgen und erleben jene ihres erwachsenen Umfelds mit. Das Corona-Virus führt uns das allen gerade unabhängig von Herkunft und Alter deutlich vor Augen.
Kinder nähern sich diesen Fragen oft viel unbefangener und konkreter als Erwachsene. Traurigkeit wird aktiv und oft künstlerisch gelebt und verarbeitet, Kreativität tritt an ihre Stelle.

Das greifen wir in Wort, Bild und Musik auf. Wie bereits erprobt, werden wir in Kooperationen mit zwei Schulen in Hannover das Familienkonzert in Schreib-, Mal- und Musik-Projekten vorbereiten und damit den Befreiungsgedanken hör- und fühlbar für Kinder machen.


Neben diesem thematischen Blickwinkel bringt die Moderation des Dirigenten den Kindern natürlich auch das musikalische Erlebnis wie die Instrumente und besondere Momente der Kompositionen näher: Hat Musik Farben (wie die Kirchenfenster)? Wie schwer ist so eine Tuba? Wie hört sich der tiefste Ton an? UND wieder mit Themenbezug: Wie klingt LICHT?
Nach knapp einer Stunde werden die Kinder mit ihren Familien in einer frohen und gelösten Stimmung die Auferstehungskirche verlassen – mit Klängen und Bildern im Kopf, die eine positive und zuversichtliche Antwort geben auf die Fragen, die Kinder auf ihre Weise an das Leben stellen.

Guido Mürmann, Januar 2021

 

Vergangene Projekte

Rückblick: Bachs Weihnachtsoratorium zum Mitsingen im Dezember 2019

Rückblick: Freut euch alle!

Rückblick Tippett 2018

10. und 11. November 2018: Michael Tippett (1905 - 1998): A Child of Our Time (Oratorium)

Michael Tippett war ein sozial und politisch sehr interessierter und engagierter Komponist. Nach zunächst mehr parteipolitischem Engagement ab 1935 in der British Communist Party, die er angesichts deren inneren Entwicklung enttäuscht wieder verlassen hat, stellt er mit dem Kompositionsbeginn an „A Child of our Time“ 1939 seine musikalische Arbeit ins Zentrum seines tief empfundenen Bedürfnisses, Mitgefühl für Verfolgte und Unterdrückte auszudrücken.

Links zum Bericht über die Konzerte

in Holzminden: www.tah.de/lokales/lokalnachrichten/news-single/bewegendes-konzert-in-der-stadthalle.html

in Hannover: www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Tippett-in-der-Markuskirche

Chorleiter

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Guido Mürmann