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BEETHOVEN 2020 – BEFREIT!

Wir planen weiter und freuen uns auf das kommende Projekt.
Ob unser Konzert planmäßig stattfinden oder aber aus Gründen des Infektionsschutzes verschoben werden muss, darüber halten wir Sie hier und auf unserer Facebook-Seite auf dem Laufenden.
 
Im Beethovenjahr 2020, in dem wir wie viele andere Chöre und Orchester den 250. Geburtstag feiern möchten und dazu große Pläne haben, ist nun alles anders. Noch herrscht große Unsicherheit bezüglich der Durchführbarkeit jedweder Konzerte in diesem Jahr. Wir planen dennoch ganz bewusst unser Vorhaben und wir hoffen, es am 22. November ein Stück auch als Befreiung von der derzeitigen Ausnahmesituation feiern zu dürfen. 

Mit unserem geplanten Programm beschreiten wir einen zutiefst menschlichen Weg.  Finden sich in der ersten Konzerthälfte zunächst weltliche Werke, die von der Zerrissenheit und Bedrohung der menschlichen Existenz reden, „antwortet“ der zweite Teil des Abends mit der gesungenen Botschaft der Erlösung in der Auferstehung:

 

            Ludwig von Beethoven: Leonoren-Ouvertüre Nr. 3, op. 72b für Orchester

            Johannes Brahms: Schicksalslied, op. 54 für Chor und Orchester

            Ludwig van Beethoven: Messe in C-Dur, op. 86 für Chor, Orchester und Solisten

            Johannes Brahms: Begräbnisgesang, op. 13 für Chor und Bläser 

Wir beginnen ganz weltlich mit Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 zu der Oper Fidelio. Beethoven komponiert die Befreiungsoper „Fidelio“ ganz im Geiste der Zeit wenige Jahre nach der französischen Revolution. In einem umfassend gedachten Sinn triumphieren hier Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Erlösung. Menschlich ethisches Verhalten, christlich oder humanistisch begründet sprengt in dieser Oper die weltlichen „diesseitigen Ketten“. Die „Ketten der Sterblichkeit“ sprengt Gott, indem er seinen Sohn aus Liebe zu den Menschen opfert. Die Musik schafft uns Zugang zum Glauben an diese Herrlichkeit und bringt uns dem Himmel ein Stückchen näher.

Mit dem Schicksalslied vertont Brahms ein Gedicht von Friedrich Hölderlin. Göttliches Ideal und menschliche Realität werden scheinbar unvereinbar gegenübergestellt, Erlösung findet in Hölderlins Gedicht zunächst nicht statt. Doch Brahms fügt einen dritten Teil an, der den Rahmen schließt und mit der Lichttonart C-Dur eine quasi erlösende weitere Strophe dichtet: Die Ungewissheit hat nicht das letzte Wort! 

Nach der Pause folgt das Hauptwerk des Abends, Beethovens Messe in C-Dur – eine Komposition mit einer ihrer Tonart entsprechenden Lichtwirkung der verheißenen Erlösung des Menschen. Das Ordinarium Missae, der lateinische Messtext, ist bis heute das unverändert wiederkehrende Grundgerüst der katholischen Messe. Dieser Text führ mit seinen Abschnitten Kyrie (Erbarme dich, Herr), Gloria (Ehre sei Gott in der Höhe), Credo (Ich glaube), Sanctus/Benedictus (Heilig, heilig, heilig ist der Herr) und Agnus Dei (Lamm Gottes) zur befreienden Botschaft, dass Jesu Kreuzestod am Karfreitag in die erlösenden Worte der Messe „Gib uns deinen Frieden“ mündet. 

Der Begräbnisgesang, op. 13 für Chor und Bläser von Johannes Brahms schließt das Programm ab.  Lassen wir einen Textauszug für sich sprechen:

Die Seel, die lebt ohn alle Klag,

der Leib schläft bis am letzten Tag, 

bei welchem ihn Gott verklären

und der Freuden wird gewähren.

 

Hier ist er in Angst gewesen,

dort aber wird er genesen,

in ewiger Freude und Wonne

leichten wie die schöne Sonne

 

nun lassen wir ihn hier schlafen,

und gehen allsamt unser Straßen,

schicken uns auch mit allem Fleiß,

denn der Tod kommt uns gleicher Weis. 

 

Wie werden diese Gedanken mit Kindern aufgegriffen?

Auch Kinder erleben die Beschränkungen des Lebens, haben eigene Sorgen und erleben jene ihres erwachsenen Umfelds mit. Das Corona-Virus führt uns das allen unabhängig von Herkunft und Alter deutlich vor Augen.

Einer der Grundgedanken wird daher sein, dass Trauer und Sorge auch Verbindung schaffen können und manche Grenzziehungen dadurch in den Hintergrund treten können. Kinder nähern sich den Fragen nach Begrenztheit, Krankheit und Sterben oft viel unbefangener und konkreter als Erwachsene. Wo zunächst der Schmerz um sich greift, treten oftmals Kreativität und Kommunikation an seine Stelle, Trauer kann aktiv und oft künstlerisch ausgestaltet werden.

Das greifen wir in Wort, Bild und Musik auf. Wie bereits erprobt, werden wir in Kooperationen mit zwei Schulen in Hannover das Familienkonzert in Projekten vorbereiten und damit als weiteres Element den Befreiungsgedanken als wesentliches Element hör- und fühlbar für Kinder machen. 

Nach knapp einer Stunde werden die Kinder in einer frohen und gelösten Stimmung die Auferstehungskirche verlassen – mit Klängen und Bildern im Kopf, die eine positive und zuversichtliche Antwort geben auf Grenzsituationen des Lebens.

Das Familienkonzert findet in der originalen Konzertbesetzung zusammen mit den Kinderchören, der Messiaskantorei, allen 4 Solisten und dem kompletten Orchester „la festa musicale“ statt. Die Moderation übernimmt der Dirigent Guido Mürmann selbst, der in dieser Funktion auch wiederholt für das Musikvermittlungsprogramm Discover Music des NDR Hannover und für das Detmolder Kammerorchester tätig ist.

Die Messiaskantorei Hannover hat mit Schulprojekten bereits seit 2006 und mit Familienkonzerten seit 2010 umfangreiche Erfahrung und großen Erfolg. 

Dass wir auch in diesem Projekt vom Orchester la festa musicale begleitet werden, freut uns sehr. Sobald es möglich ist, werden die Proben des Orchesters in der exzellenten Akustik der Auferstehungsgemeinde beginnen.

Die Solisten stehen noch nicht abschließend fest. Angefragt sind teils durch internationale Wettbewerbserfolge ausgezeichnete Sängerinnen und Sänger ganz bewusst aus der freischaffenden Musikerszene, die von derzeit zahlreichen Konzertabsagen besonders betroffen ist. 

Hier geht´s zu weiteren Gedanken zum Konzertprogramm.

Hier stellt sich unser Orchester vor https://www.lafestamusicale.de/de/home

Rückblick: Bachs Weihnachtsoratorium zum Mitsingen im Dezember 2019

Rückblick: Freut euch alle!

Rückblick Tippett 2018

10. und 11. November 2018: Michael Tippett (1905 - 1998): A Child of Our Time (Oratorium)

Michael Tippett war ein sozial und politisch sehr interessierter und engagierter Komponist. Nach zunächst mehr parteipolitischem Engagement ab 1935 in der British Communist Party, die er angesichts deren inneren Entwicklung enttäuscht wieder verlassen hat, stellt er mit dem Kompositionsbeginn an „A Child of our Time“ 1939 seine musikalische Arbeit ins Zentrum seines tief empfundenen Bedürfnisses, Mitgefühl für Verfolgte und Unterdrückte auszudrücken.

Links zum Bericht über die Konzerte

in Holzminden: www.tah.de/lokales/lokalnachrichten/news-single/bewegendes-konzert-in-der-stadthalle.html

in Hannover: www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Tippett-in-der-Markuskirche

Chorleiter

guido
Guido Mürmann